Die folgenden Ausführungen sind nur ein grober Überblick. Sie ersetzen keine Rechtsberatung im konkreten Fall. Wir haften nicht für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

LG Hamburg: Harry Potter in Schulbüchern verletzt keine Urheber- und Markenrechte
(Urteil v. 19.12.2003 - 10 O 355/03)


Harry Potter hatte schon längst Einzug in Kinder- und Wohnzimmer gehalten, als sich der Ruhr Verlag dazu entschied, dem Zauberlehrling auch im Klassenzimmer einen Platz zu verschaffen. Lehrmittelgerecht und didaktisch aufbereitet, sollte Harry Potter dafür sorgen, dass auch noch der letzte Lesemuffel an den Büchern der Erfolgsautorin Joanne K. Rowling Geschmack fände. Bei Rowling stieß das Vorgehen des Verlages allerdings auf wenig Begeisterung. Gemeinsam mit dem Rechteinhaber Time Warner erwirkte sie im vergangenen Jahr eine einstweilige Verfügung gegen den Herausgeber der strittigen Schulbücher. Der Verlag übernähme Handlungsstränge, Namen und Charaktere aus den Romanen und verletze damit Urheber- und Markenrechte, wurde das Vorgehen begründet.

Diese Auffassung konnte das Landgericht Hamburg mit einer jetzt getroffenen Entscheidung nicht bestätigen. Die Richter stellten fest, dass der Verlag mit der lehrmittelgerechten Verwendung von Elementen aus Harry Potter-Romanen nicht gegen Urheber- oder Markenrechte verstosse. Bei den Materialien handele es sich um freie Bearbeitungen, die lediglich an einzelne Elemente der Romane anknüpften und im übrigen selbstständige geistige Schöpfungen darstellten. 

Da zwei der umstrittenen Titel nicht mehr angeboten oder nur noch in Restauflage verkauft wurden, ging es in dem Prozess vor allem um die grundsätzliche Frage, ob ein Konzern oder Autor über das Urheber- und Markenrecht mitbestimmen kann, wie Sekundärliteratur und Unterricht zu seinem Werk aussehen müssen. Der Ruhr-Verleger Wilfried Stascheit hatte mit einem zu Gunsten von Time Warner ausfallenden Urteilsspruch den Verlust eines unabhängigen Unterrichts gefürchtet. Der Verband der Schulbuchverlage kam zu der selben Einschätzung und hatte den Prozess finanziell unterstützt. Zusammen mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels gab er bei dem ehemaligen Richter am Bundesgerichtshof Erdmann ein Gutachten in Auftrag. Dieser hatte darin festgestellt, dass die Forderungen der Kläger weitgehend als abwegig eingeordnet werden könnten und weder marken- noch urheberrechtlich haltbar seien. Bearbeitungen eines literarischen Stoffes dürften lediglich nicht den "Lesegenuss" der Vorlage ersetzen. Die Beschäftigung mit Stoff, Figuren und Namen sei ebenso erlaubt wie Inhaltsangaben und die Nennung von Kapitelüberschriften. Weiterhin erhebe die Allgemeinheti gerade im Bidlungsbereich zu Recht den Anspruch, sich in angemessener Weise mit einem zeitgenössichen Werk auseinander zu setzen. 

Stascheit kommentierte das Vorgehen Time Warners in der Neuen-Ruhr-Zeitung: "Sie können nicht mehr unterscheiden zwischen denen, die Harry Potter unterstützen wollen, und denen, die daran verdienen möchten." Time Warner und Rowling haben wegen ihres strikten Vorgehens gegen Markenrechtsverletzungen in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen gesorgt.

Quelle: markenplatz.de/juk