Die folgenden Ausführungen sind nur ein grober Überblick. Sie ersetzen keine Rechtsberatung im konkreten Fall. Wir haften nicht für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Amtsgericht Tecklenburg: Kolonnen-Überholer trägt erhöhtes Haftungsrisiko
(Urteil vom 18.12.2002 - 11 C 30/02 -)

Nach einem Urteil des AG Tecklenburg trägt derjenige, der eine Kolonne aus mehreren Fahrzeugen überholt, regelmäßig eine höhere Haftung, mindestens die Hälfte des Schadens. 

In diesem Fall wollte der Kläger vier vor ihm fahrende Autos überholen. Der Fahrer des Wagens an der Spitze der Schlange wollte zugleich nach links abbiegen. Beide Autos stießen zusammen. Die Versicherung des Linksabbiegers erstattete dem Überholer 50 Prozent seines Schadens, was ihm jedoch nicht ausreichte. Er klagte auch die andere Hälfte ein, weil er sich völlig im Recht wähnte. 

Das AG meinte jedoch, dass der Kläger mit 50 Prozent Schadensbeteiligung noch gut davon gekommen. Zwar sei dem Linksabbieger ein Verstoß gegen seine „doppelte Rückschaupflicht“ vorzuwerfen, hieß es in dem Urteil. Jedoch sei der Kläger „mit seinem Kolonnenüberholen höchst gefährlich gefahren. Den dabei entstehenden höchsten Sorgfaltsanforderungen wäre er „bei weitem nicht gerecht geworden“. Weiter hieß es in dem Urteil: „In der obergerichtlichen Rechtsprechung ist anerkannt, dass denjenigen, der eine Fahrzeugkolonne in einem Zug überholt und mit einem aus der Kolonne nach links abbiegenden Fahrzeug zusammenstößt, sogar in der Regel die überwiegende Mithaftung trifft.“